Ein geschäftiger Dezembermorgen im Haus der Familie Thanhäuser. Ein reichlich gedeckter Frühstückstisch versorgt wortkarge, pubertierende Kinder und den eiligen Ehemann. Dr. Barbara Thanhäuser verlässt als letzte das Haus. Sie wird nicht in der Privatklinik am Weseler Auerand ankommen, in der man die Ärztin ungeduldig erwartet. Am nächsten Tag finden Spaziergänger ihren völlig demolierten Wagen am Haffener Mehr. „Die Wölfin“ heißt der neue Kriminalroman von Thomas Hesse und Renate Wirth, die nach den Erfolgen mit „Das Dorf“ und „Die Füchse“ nun ihr drittes gemeinsames Buch vorlegen. Was passiert, wenn ein Kind im Krankenhaus stirbt und niemand dafür die Verantwortung übernehmen will, ist ihre Kernfrage in einer ebenso hintergründig-ernsthaften wie atmosphärisch dichten und unterhaltsamen Geschichte. Oder ist der Mensch dem Menschen ohnehin ein Wolf?
Vor diesem Hintergrund entwickelt sich eine rasante Geschichte mit unerwarteten Wendungen und einer Auflösung, die überrascht. Das Team vom K 1 um Hauptkommissarin Karin Krafft und ihren schrillen Assistenten Nikolas Burmeester steckt unversehens drin in einem Fall, der sie menschlich anpackt. Sie müssen einen vermeintlichen Täter verfolgen, dem sie viel Verständnis entgegen bringen, während sie das Opfer immer mehr entlarven. Recht und Gerechtigkeit sind zwei Seiten einer Medaille. Oder gleicht das niederrheinische Schicksal am Ende aus? Pure Krimi-Spannung in einer dramaturgisch gut gemachten Who’s-done-it-Geschichte ist das eine. Das zweite Leitmotiv handelt von Schuld, Verstrickung, Hoffnung, Gerechtigkeit.
Die unverzichtbare Portion niederrheinischen Humors und der stimmige Klang des flachen Landes sind schreiberisch geschickt mit dem dramaturgischen Hintergrund verwoben. Thomas Hesse und Renate Wirth bekennen sich dazu, dass ein guter Niederrhein-Krimi unterhalten muss. Bei aller Nachdenklichkeit soll „Die Wölfin“ auch amüsieren. Gegenpole, die aus sich heraus besondere Spannungselemente sind. Deshalb tauchen der rasende Reporter Ferdi Fleischmann und Schimanski beim K 1 auf. Wie das komödiantisch eskaliert, muss man selbst lesen.